Neurodermitis? So pflegen Sie Ihre Haut richtig
Neurodermitis, auch atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem genannt, ist eine chronische Hauterkrankung, bei der die Haut gerötet ist und juckt. Sie tritt häufig bereits im Säuglingsalter auf, kann sich aber in jedem Lebensalter entwickeln. Es handelt sich um eine chronische bzw. chronisch wiederkehrende, nicht ansteckende Erkrankung, die – ebenso wie Asthma bronchiale, allergischer Schnupfen oder Bindehautentzündung – mit einer atopischen Veranlagung zusammenhängt. Wissen Sie, welche Lebensmittel die Beschwerden bei Neurodermitis verstärken können und worauf es bei der täglichen Pflege empfindlicher, zu Neurodermitis neigender Haut ankommt? Lesen Sie unsere Tipps von der Dermatologin MUDr. Jana Povalová.
Das Auftreten von Neurodermitis steht häufig im Zusammenhang mit einer familiären Veranlagung. Kinder, bei denen ein oder beide Elternteile an Neurodermitis leiden, haben ein höheres Risiko, ebenfalls daran zu erkranken. Es handelt sich jedoch um eine multifaktoriell bedingte Erkrankung, bei deren Entstehung sowohl genetische Faktoren als auch nicht genetische Einflüsse, insbesondere Umwelteinflüsse, eine Rolle spielen. Von großer Bedeutung ist eine gestörte Hautbarriere. Damit verbunden sind ein erhöhter transepidermaler Wasserverlust und ein verminderter Ceramidgehalt der Haut. Nach und nach wird die oberste Hautschicht dünner und die Haut empfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen, insbesondere gegenüber Wasch- und Reinigungsmitteln.
Gesunde Haut schützt uns vor verschiedenen Bakterien und zahlreichen Allergenen. Bei Neurodermitis kann die natürliche Hautflora aus dem Gleichgewicht geraten, ihre Vielfalt nimmt ab und insbesondere eine Besiedlung mit Staphylococcus aureus kann begünstigt werden. Auch Lebensmittelallergene können bei entsprechend empfindlichen Personen eine Rolle bei der Verschlechterung des Hautzustands spielen. Ernährungsmaßnahmen wie die Einschränkung von Zitrusfrüchten, Fruchtsäften sowie stark gewürzten und scharfen Speisen können in manchen Fällen dazu beitragen, Beschwerden zu reduzieren.
Auch klimatische Veränderungen können Neurodermitis beeinflussen. Die Erkrankung neigt dazu, periodisch aufzuflammen, insbesondere im Herbst und Winter, wenn die Luftfeuchtigkeit niedrig ist und die Temperaturen sinken. Bei vielen Menschen mit Neurodermitis verschlechtert sich der Hautzustand in dieser Zeit. Das Erscheinungsbild der atopischen Dermatitis unterscheidet sich je nach Alter. Daher wird zwischen der Säuglings-, Kindes- und Erwachsenenform unterschieden. Typische Anzeichen sind trockene, raue und schuppige Haut sowie Juckreiz, der stark ausgeprägt sein und sich insbesondere nachts verstärken kann. An bestimmten Körperstellen können nach und nach Rötungen auftreten, vor allem an Händen, Füßen, Knöcheln, Handgelenken, Augenlidern sowie in den Ellenbeugen und Kniekehlen. Kommt es zusätzlich zu einer Infektion mit Staphylococcus aureus, können die betroffenen Hautstellen nässen sowie kleine Risse und Krusten aufweisen. In diesem Fall sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Die Behandlung von Neurodermitis ist in der Regel langfristig. Eine geeignete Therapie kann dazu beitragen, die Schwere und Häufigkeit der Krankheitsschübe zu reduzieren. Neurodermitis ist jedoch eine chronische Erkrankung, die Betroffene meist langfristig begleitet. Eine wichtige Grundlage im Alltag ist die konsequente tägliche Pflege der Haut mit geeigneten rückfettenden und feuchtigkeitsspendenden Pflegeprodukten bzw. Emollienzien. Ebenso wichtig ist es, Faktoren, die den Hautzustand verschlechtern können, möglichst zu vermeiden. Die Haut sollte mindestens zweimal täglich sorgfältig gepflegt und mit Feuchtigkeit versorgt werden. Dafür steht eine große Auswahl an Pflegeprodukten zur Verfügung. Entscheidend ist, ein Produkt zu finden, das den individuellen Bedürfnissen der Haut entspricht und gut vertragen wird.
Emollienzien und Pflegeprodukte gibt es in unterschiedlichen Konsistenzen. Grundsätzlich bieten reichhaltigere Produkte eine intensivere Rückfettung. Manche Menschen empfinden sehr fetthaltige Cremes jedoch als unangenehm oder vertragen sie weniger gut. In diesem Fall können leichtere Cremes oder Lotionen mit einem höheren Anteil an Thermalwasser, beispielsweise auch mit Schwefel, eine angenehme Alternative für die tägliche Hautpflege sein. Emollienzien unterstützen die Pflege der beeinträchtigten Hautbarriere, versorgen die Haut mit Feuchtigkeit und helfen, sie geschmeidig zu halten. Am besten eignet sich ein Pflegeprodukt, das gut vertragen wird und sich problemlos in die tägliche Pflegeroutine integrieren lässt. Beim Baden und Duschen gilt: lieber kürzer und nicht zu heiß. Nach dem Duschen empfiehlt sich die Drei-Minuten-Regel – die Haut sollte möglichst innerhalb von drei Minuten eingecremt werden, damit sie nicht unnötig austrocknet. Bei guter Verträglichkeit können auch Badesalze als ergänzender Bestandteil der Hautpflege verwendet werden.
Bei einer Verschlechterung der Neurodermitis kann auch ein Kuraufenthalt in einem Schwefelbad eine der unterstützenden Möglichkeiten sein. Die dort eingesetzte Kombination aus Balneotherapie und Phototherapie wird im Rahmen einer fachlich begleiteten Behandlung genutzt. Topische Kortikosteroide spielen bei akuten Schüben der atopischen Dermatitis eine wichtige Rolle. Ebenso gehört eine eventuell notwendige systemische Therapie in die Hände eines erfahrenen Dermatologen. Sollte sich Ihr Hautzustand trotz konsequenter täglicher Pflege verschlechtern, wenden Sie sich bitte an Ihren Hautarzt bzw. Ihre Hautärztin.
MUDr. Jana Povalová